'Verantwortung, Qualität und Ehrlichkeit'


DMI FASHION DAY – REVIEW

 

„DETOX YOUR MIND!“  lautete die Headline des DMI Fashion Days am Donnerstag in der Rheinterrasse Düsseldorf. Mehr als 300 Besucher waren zur Kick-off-Veranstaltung für die Branche gekommen, um sich über Zeitgeist, Markt und Handel sowie die Trendorientierung in der Mode – Farben, Materialien und Styles für den Sommer 2021 – zu informieren.
 
Unsere Branche ist im Wandel und steht vor enormen Umbrüchen. Detox your Mind, das heißt vor allem Entschlackung und Entschleunigung. Ballast abzuwerfen, um sich auf das zu konzentrieren, was relevant ist. „Wir wollen uns wieder gut fühlen, mit dem was wir tun, wie wir es tun und was wir sind“, begrüßte Gerd Müller-Thomkins die Gäste und Referenten.

 


Wie wir heute leben, welche Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche wir haben, analysiert das SINUS-Institut. Dr. James Rhys Edwards vom SINUS-Institut warf einen Blick auf die Generation der heute unter 25-Jährigen. In der „Cartography of values“ beleuchtet die Studie der Jugendkultur die einzelnen Lebenswelten, Werte und Glaubenssätze und macht die Unterschiede in den jeweiligen Milieus deutlich: von den Prekären über die adaptiv Pragmatischen bis hin zu den Expeditiven auf der Suche nach Lösungen. Große Unterschiede zeigen sich in der Adaption von Nachhaltigkeit. Fashion habe eher den Escape-Effekt. Die Frage laute also: Wie kann Mode dazu bewegen, ein besseres Leben zu führen, in einer besseren Welt? Man müsse sich mit dem auseinandersetzen, was die Menschen beschäftigt – und worüber sie sich Sorgen machen, so Dr. Edwards. Auf dieser Basis könnten Brands sich positionieren.
 
„Weil Angst ein schlechter Ratgeber ist“
 
Die globalen Probleme sind so akut geworden, dass man sie nicht mehr ignorieren könne, mahnt Carl Tillessen. Man könne auch nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Seine Analyse des Zeitgeistes „I (don’t) want you to panic“ vermittelt positive Impulse und zeigt, wie die Mode ihre Probleme so lösen kann, dass am Ende für den Kunden nicht mehr die Probleme, sondern die Lösungen im Vordergrund stehen.
Es gehe darum, einen beruhigenden Ausgleich zu dem zu schaffen, was die Menschen beunruhigt. „Nature Priming“ lautet das Schlüsselwort – „Die Natur als Mittel zu Beruhigung“, wie es eine Vielzahl internationaler Designer bereits beispielhaft in ihren aktuellen Kollektions-Kampagnen umgesetzt hat.

 

 

 „Jedes 5. Kleidungsstück wird nur ein- bis zweimal getragen“
 
Mit dem neuen Programmpunkt KEY NUMBERS brachte Tillessen Visuals und Zahlen: Seine Auswertungen verdeutlichten, welchen Stellenwert Social Media auf das Kaufverhalten hat, warum die meisten Online-Käufe in Deutschland mit Frustration verbunden sind und was die Konsequenzen daraus sind, wofür der Kunde sein Geld ausgibt und an welcher Stelle das ökologische Bewusstsein steht. 27% ihres Gesamtbudget gäben junge Menschen für Bekleidung aus, das ist der größte Anteil. Der schnelle Konsum sei Social Media befeuert, entscheidend sei, wie instagrammable etwas ist. Doch nirgendwo sei das ökologische Bewusstsein größer als in Deutschland. Die Mode sei derzeit sprichwörtlich auf den Kopf gestellt: Für den Sneakers sei der Kunde heute bereit, mehr Geld auszugeben als für die Statement-Tasche. „Es gibt auch in der Mode weiterhin das gute alte Geltungsbedürfnis.“
 
„Was macht uns eigentlich glücklich?“
 
Christel Wickerath, Redakteurin bei der Fachzeitschrift TextilWirtschaft und Mitglied im Trendboard des DMI, beobachtet den Markt und hat im Handel nachgefragt. Im REALITY CHECK resümiert sie: „Wir hatten einfach viel zu viel Ware und die Menschen hatten Probleme zu erkennen, was wir eigentlich verkaufen wollten.“ Es könne nicht sein, dass man, obwohl der Markt so voll war, nicht den richtigen Mantel gefunden habe. Designer müssten sich besser um das einzelne Teil kümmern, Produkte mit Relevanz schaffen. Es gehe nicht mehr um die Größe der Kollektion, sondern um kleinere Wareneinstreuung, mehr Profil, mehr Lässigkeit in unserem Trageempfinden, und letztendlich um Sichtbarkeit. Denn: „Schöne Kleidung macht uns glücklich“ – wie so manches Teil im Verkauf gezeigt habe. Wickerath plädiert für viele kleine Lieferungen, Pop-Up-Flächen, um auf den Punkt gebrachte Produkte in den Fokus zu rücken.
 

 
„Was brauchen wir wirklich?“
 
„In unserer Realität fusionieren das Digitale und das Natürliche“ – zur Hyperreality. Wie wir mit dem Wandel umgehen und welche IMPULSE in unserer komplexen Realität die akute Kritik am Modesystem in kreative Ideen umsetzen können, zeigte Niels Holger Wien auf. Es gebe so viele Bewegungen gegen etwas – weltweit – und die Rebellion hat Folgen, beeinflusst unseren Alltag. Der junge Aktivismus fordere Veränderungen ein. Es sei darum ein Zeichen der Zeit, wenn wir die Natur in unsere Lebenswelt zurückholen „Wir suchen eine Rückverbindung zu dem was da ist – zur Natur.“ Das zeige sich an begrünten Hochhäusern im Städtebau ebenso wie in den Marketingkampagnen internationaler Designer, und auch in der Materialentwicklung. „Wir müssen Qualität neu lernen, die uns im Massenkonsum und Mainstream verloren ging“ fasste Wien zusammen, da komme man vielleicht auf die Idee, dass man vielleicht gar nicht mehr so viel braucht. „Weniger, aber besser!“ lautet dementsprechend sein Appell für zukünftige Produktentwicklung. Und: von der linearen zu einer Kreislaufwirtschaft – cradle to cradle.
 
Neue Entwicklungen von Materialien, die recycelbar sind, seamless Ware ohne Nähte, Mono-Materials – die radikalste Idee, Färbungen, die fast einen Alterungsprozess zeigen, Recycling und Upcycling – Recycling so einfach wie möglich machen: Winfried Rollmann präsentierte die MATERIALS & YARNS, die in der kommenden Sommersaison für zeitgemäße Styles relevant sind. „Der Stoff muss sich auch gut anfühlen“, zum Beispiel mit Drucken, die die Energie der Vegetation einfangen. „Leinen bedeutet in dieser Saison nicht Grobheit, sondern natürliche Faszination.“
 
„Wir können mitwirken, Dinge zu ändern!“
 
In der heutigen Zeit seien die Impulse so prägend, dass wir alle unsere Designprozesse überdenken müssten. „Es ist unsere Aufgabe, mithilfe von Technologie und Innovation Lösungen zu finden.“ Wie die zeitgeistigen Impulse in der Mode für die Saison S/S 21 zum Ausdruck kommen, definieren die vier Key-Directions, die das Trendboard des DMI herausgearbeitet hat, vorgestellt von Thomas Hill:  EMBRACING NATURE, SENSIBLE RESET, DRESS-UP GAMES und HYPNO REALITIES.

 

 

„Letztendlich geht es um Aura – und Ehrlichkeit“
 
Petra Wenzel hat mit „The golden Rabbit“ einen Laden in Düsseldorf geschaffen, der im Sinne eines erweiterten Concept Stores for garden lovers alles Nützliche und Schöne rund um das Thema Garten verkauft. Im FASHION TALK mit Gerd Müller-Thomkins offenbarte Wenzel ihr Konzept. Sie lebt es! „Uns sind Begriffe verlorengegangen“, Menschen sähen heute nur Bäume, nicht Esche, Ulme, Birke usw. Bei ihrem exklusiven Angebot geht es ihr darum, das Produkt so perfekt wie möglich zu machen. „Dinge müssen eine Aura haben.“ Das gelte für tolles Werkzeug ebenso wie für einen schönen Stoff, „die schmeißt man nicht weg und geht auch gut damit um.“ Marketing sei geduldig. „Ja, letztendlich geht es um Ehrlichkeit.“
 
Die Trends in der Mode S/S 21 – COLOURS und FASHION Key Products Woman/Man
 
Zeitgeistige Impulse und neue Materialien bringen auch neue Farbtöne hervor. Beim Fashion Day gab Niels Holger Wien einen Einblick in die Farb-Themen der Saison S/S 21: EMBRACING NATURE – mit Grüntönen von Gemüsegrün bis Botanicals; SENSIBLE RESET – Weißheit und neutrale Tonigkeit bis hin zu pastelliger Lightness, Licht und Schattenspiele; DRESS-UP GAMES – als Fusion aus Normalität und Radikalität, „radicalizing Beige“ und „abstract refresh von Klassik“ und HYPNO REALITIES – mit Künstlichkeit, Übertreibung und innerem Leuchten, bei dem Farbe die Textur macht.
 
Die PREMIÈRE VISION  bündelt alle Einflüsse in einer internationalen Farbkarte. Die Ästhetik mit Nachhaltigkeit umsetzen – man müsse in dieser Saison in den Antrieb, die Zeit der Veränderung öffne die Türen zu neuem Wissen. „Eine Saison, die uns mit verantwortungsvoller Mode versorgt.“ Beim Fashion Day präsentierte Pia Jensen ein Forecast für den Sommer 2021.
 
Welche Styles die Mode im Sommer 2021 prägen werden, wurde in der detailliert bebilderten Präsentation KEY PRODUCTS WOMAN + MAN inklusive ACCESSOIRES von Thomas Hill und Christel Wickerath deutlich – angereichert mit Erfahrungswissen aus Produktentwicklung und Handel sowie Hintergrundinformationen zur Saison.
 
Weiterführende Informationen beim Fashion Day lieferten die Aussteller in ihren Trendlounges: efi Design Pro für kreatives Design, das digitale Trendportal FashionSnoops, Knopf Schäfer, die Première Vision sowie ColourDigital für die Nutzung der Farb- und Materialwerte als digitale Daten in der Supply Chain.
 
Zeitgeist, Farben und Materialien, die Key Directions in der Mode mit den Key Products für die Womens- und Menswear inklusive Accessoires – die Inhalte der Präsentationen und Vorträge  beim FASHION DAY finden sich in analoger und digitaler Form in den DMI TRENDBOOKS wieder.  Ab sofort zum Bestellenhier erhalten Sie einen Einblick.

 

 

Der Fashion Day ist eine in dieser Form einzigartige Trend-Veranstaltung, die über die Modeinformation hinaus den zeitgeistigen Kontext in Analysen und Zahlen beleuchtet und Impulse gibt – zur Orientierung und Selbstverortung. Zudem bietet die Veranstaltung die Gelegenheit zu Austausch und Networking.

 

Jetzt schon vormerken: Neue Veranstaltungsformate und Termine
 
Dem Wandel  und den Herausforderungen der Branche kommt das DMI jetzt mit neuen Veranstaltungen und Informationsformaten entgegen:
Bereits am 24. Juni 2020 bietet der Fashion Day I  Zeitgeistinformationen, Impulse und Inspirationen für Designer und Produktentwickler, der FASHION DAY II  am 24. Juli mit Aktualisierungen sowie zusätzlich auf den Handel ausgerichteten Themen.
Um Gegenwart und Zukunft des Konsums geht es bei der neuen internationalen Veranstaltung ÉCLA – European Consumer & Lifestyle Associates, am 8. Oktober 2020, bei der die Soziologie des Konsumenten im Fokus steht.
Bei Re’aD, dem internationalen Digitalkongress am 3.November 2020, geht es um Anwenderwissen und Erfahrungswerte bei der digitalen Transformation der Supply Chain.

 

 

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