CPD ORDERMESSE DÜSSELDORF

2-May-2019

 

 

ORDER-SAISON H/W 19/20

 

 

Qualität und Glaubwürdigkeit – Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen!

 

2018 war ein Jahr der Krisen und des Wandels. Wie schwierig für viele Mode-Unternehmen die zurückliegende Saison war und welchen Herausforderungen sie sich stellen mussten und weiterhin müssen, das war auch während der CPD Ordermesse in Düsseldorf allgegenwärtiges Gesprächsthema. Vom 26.-28. Januar und teils auch darüber hinaus wurden hier die Kollektionen für die Saison Herbst/Winter 19/20 präsentiert. Womens- und Menswear inklusive Accessoires – mehr als 800 internationale Brands allein bei der Gallery, über 480 hochwertige Kollektionen auf vier Etagen im B1 bei der SUPREME sowie unzählige weitere in den zahlreichen Showrooms der Agenturen und Marken im gesamten Stadtgebiet.

 

Windsor

 

Vieles wurde vorab auf den Prüfstand gestellt, von der Location bis zu den Lieferterminen. Strukturen wurden überdacht, die Kollektion neu gedacht, Sortimentsgestaltung – das geht bis zum Knopf – hinterfragt. Aber: „Qualität  muss sein, denn sie beinhaltet Kundentreue“ hört man nicht nur beim Premium-Label Windsor.

Was, wenn ein Stoff plötzlich 4 Euro mehr kostet, „wie wollen Sie das weitergeben?“ Die Einkäufer – wie letztendlich auch die Kunden – achten auf die Qualität bis ins Detail. Sie wollen aber nicht mehr bezahlen. Der Preisdruck lastet wie ein Damoklesschwert über der Branche. „Da wird einem wegen 30 Cent der Hörer aufgelegt“, wenn man nicht nachgebe, hört man auch woanders.

Die Erwartungshaltung sei zunehmend egoistisch, klagen die Produzenten. Sowohl was die Beschaffung als auch Flexibilität betrifft. Man denke immer noch zu sehr profitorientiert.

Umsonst-Kultur, Egoismus, dem müsse man entgegenwirken. Auch Dauer-Sale ist eine Problematik, hier sei die Politik gefragt. Es brauche Regularien, damit sich Qualität wieder lohne.  Wie auch die Wertschätzung der Mode einverlangt wird! Wertschätzung für ein Produkt, das seinen Wert hat, das man öfter als einmal tragen will. Keine Massenware, die immer schneller verramscht wird – oder gar vernichtet. Auch das sind nachhaltige Ansätze, die es dringend braucht.

 

Riani, Odeeh, Steffen Schraut

 

Viele der Probleme seien aber auch hausgemacht – wie derzeit die Krisen-Berichterstattung zu Gerry Weber, dass das Negative in den Köpfen fast schon eine Bankrotterklärung heraufbeschwöre. Während Geschäftsführer Johannes Ehling, CEO der Gerry Weber International AG, am Sonntag im Rahmen einer eigens für Wholesale-Partner anberaumten Veranstaltung im Düsseldorfer Inside-Hotel die Branche mit positiven Aussichten zu beschwichtigen versuchte, erreichten uns schon die nächsten Hiobsbotschaften.

Die aktuellen Insolvenzen stellen Fragen in den Raum, deren Antworten kontrovers diskutiert wurden. „Ein wichtiger Partner“ und „Der wird auf den Flächen fehlen“ wie auch „viel zu lange in starren Strukturen verharrt“ bis hin zu „Alle, die es so machen wie immer, werden auf der Strecke bleiben.“ Im Zuge dessen wurde auf den Messen bereits nach Alternativen Ausschau gehalten.

Doch „Wir dürfen unsere deutsche Industrie und Marken nicht kaputtreden, sondern müssen die Wirtschaft stärken.“ Mehr Selbstwertgefühl, mehr Selbstbewusstsein, ist auch bei den Unternehmen gefragt.

 

Airfield, Beate Heymann Streetcouture, Bugatti

 

„Düsseldorf – Hier werden tatsächlich Geschäfte gemacht“

 

„Man verkörpert etwas, ansonsten verliert man an Glaubwürdigkeit.“ Was für Influencer und Mode- Blogger die Voraussetzung und das Rezept für erfolgreiche Kommunikation mit ihren Followern ist, lässt sich auch auf Marken anwenden. „Die Menschen sehen die Arbeit nicht, die dahintersteht.“ Beim Fashion-Dialog, den die SUPREME anlässlich ihrer Pressekonferenz initiiert hatte, ging es um Glaubwürdigkeit, Treue und Vertrauen. Influencerin Anette Weber von glamometer und Gitta Banko mit ihrem Blog BLONDWALK gaben Einblicke in ihr „Geschäftsmodell“ – für Frauen Ü40. „Ein superseriöses Tool, ohne das heute kein Unternehmen mehr auskommt“ wie Messechefin Alina Schade hervorhob. „Marken werden zu Freundschaften.“ Was nicht zu einem passt, müsse man auch ablehnen.

 

Selektieren, was zu einem passt, flexibel und kurzfristig auf die Anforderungen des Marktes reagieren zu können, bis hin zu Kooperationspartnern, Standort-Wechsel und Messe-Positionierung – Fragen und Herausforderungen, die die Branche auch beschäftigen und die Entscheidungen suchen. Dementsprechend wurde man mehrfach auf die optionale Zusammenlegung der Messeplattformen in  Berlin angesprochen. In Zeiten von allgemeiner Verunsicherung und Neu-Orientierung tauscht man sich wieder mehr aus. Die SUPREME verkündete jedenfalls Planungssicherheit, was die Location B1 für die nächsten 5 Jahre betrifft.

 

Die Hinterhofagentur, V&R / Agentur Celine Klauser, Gerold Brenner

 

Standorte, Positionierung, Ansprache – die Branche ist in Bewegung

 

Neu strukturiert und kuratiert präsentierte sich die GALLERY der Igedo-Company, dazu kam ein umfangreiches Infotainment – von der Orderinfo bis zur Verleihung des  Fashion.Plug.Awards für Mode.Mut.Mann an den Designer, Stylisten und begeisterten Denimträger Gerold Brenner. Die Kaltstahlhalle punktete mit einem erstklassigen Agentur-Marken-Portfolio, dazu gehören Die Hinterhofagentur ebenso wie KLAUSER  – Anziehungsmagnete für die Einkäufer, sowie auch neue Brands wie beispielsweise der Modeausstatter Braun/Hamburg. Die großzügige Industrie-Location bietet zudem den Vorteil, die Kollektions-Order hier nicht nur auf drei Tage zu komprimieren. „Raum für Nische“ als Alleinstellungsmerkmal – das SHOWROOM CONCEPT mit internationalen Brands aus den Segmenten Avantgarde & Design, Evening & Occasion sowie Contemporary mit passenden Accessories und Schuhen in den Alten Schmiedehallen habe sich erfolgreich bewährt, fasste Ulrike Kähler, Igedo-Geschäftsführerin und Projektverantwortliche, zusammen.

 

Strenesse (Foto: PR), Funk, Riani

 

Bewegung gibt es auch bei den Marken selbst: Strenesse feierte ein fulminantes Show-Comeback in Düsseldorf, RIANI präsentierte ein modernes Image im schicken neuen Showroom auf der Kaiserswerther. Und OUI eröffnete im Zuge der weltweiten Expansion einen weiteren Monolabel-Store in den Düsseldorfer Schadow-Arkaden. Um die Marke erlebbar zu machen – das direkte Feedback der Kundin spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Auf die eigene Identität – und Stärke – konzentriert hat sich der ostwestfälische Hemdenhersteller Seidensticker. „Vorbei sind die Zeiten, wo Du etwas einkasernierst.“

Die komplett in Weiß gehaltene Ausstellungsfläche, auf der das weiße Hemd „durch alle Qualitäten“ großzügig repräsentiert war, wirkt transparent und strahlt Optimismus aus. „Wir brauchen variable Flächen, modulable Möbel...“ Das Traditionsunternehmen feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum – und zeigt dabei, wie zeitlos ein gutes Produkt ist: Mit der emotional ansprechenden Plakatwand mit Fotos von 100jährigen Männern und Frauen im puristischen weißen Hemd trifft Seidensticker den Nerv der Zeit.

 

Seidensticker

 

Wie sehr der Zeitgeist Einfluss auf das Produkt nimmt, zeigt sich auch bei Funk. Das seit 1776 – mittlerweile in der 7.Generation – inhabergeführte Unternehmen steht für Echtpelz aus kontrollierten Züchtungen sowie exklusiven Strick. Hinzu gekommen sind Alternativen aus Fake Fur, in fühlbarer Top-Qualität, mit Einstiegspreislagen um 69 Euro. Hier zeigt sich das Kontroverse in der Modeindustrie besonders deutlich: „Das eine wird verteufelt, verrottet aber, das andere wird hochgejubelt, aber ist unzerstörbar.“

 

„Jedes Teil ein eigenständiges Statement, das sich immer neu individuell und saisonunabhängig kombinieren lässt.“

 

Ein wertiges Produkt, die Zielgruppe kennen, Zuverlässigkeit sowie Emotionalität auch der individuellen Ansprache: Bei Beate Heymann Streetcouture ist man zufrieden, nicht nur mit der Showroom-Location nach dem Umzug aus dem Fashion House. Das Unternehmen aus Rostock/Warnemünde mit individueller Handschrift und exzellentem Service kennt seine Kundin – und pflegt den persönlichen Austausch und Kontakt – vorbildlich!  

Wie auch Steffen Schraut – im Showroom trifft man den Designer persönlich, der einem mitten im regen Ordergeschehen auch eben mal selbst die Highlights der Kollektion vorstellt. Zum Beispiel das Glitzerkleid aus silberfarbenem Lurex, das gehört bei Schraut zu den Rennern der Saison. Die Schuhe sind kompatibel zur Mode – flach oder hoch. Athleisure-Einflüsse ja, werden aber doch eher zurückgenommen... „Die Streifen auf den Ärmeln kommen noch weg.“

 

Steffen Schraut

 

Die Kollektionen sind konsequent modern, konzentriert und fokussieren auf das Produkt wie auch die Kundin. Eine Marke, die ihre treue „Fangemeinde“ hat, ist Marc Cain. Was das süddeutsche Mode-Unternehmen in Berlin unter neuer Kreativhandschrift von Katja Konradi vorgestellt hat, findet in den Styles im 1800-Quadratmeter-Showroom in Düsseldorf seine Ergänzung und Komplettierung. Nur im Abteil nebenan – für den osteuropäischen Markt – wirkt es bunter.

 

Marc Cain | Klaus Brinkmann / FashionNet, Helmut Schlotterer / Marc Cain, OB Thomas Geisel

 

Mit seinem erfolgreichen Showroom in der Halle 30 in Derendorf und auch als Hauptpartner mit Laufsteg-Show auf der Gallery Shoes ist Marc Cain für Düsseldorf ein wichtiger Player. Jetzt wurde das Unternehmen im Rahmen der CPD für sein großes Engagement am Standort Düsseldorf mit dem „Modebusiness Award 2019“ des Vereins Fashion Net ausgezeichnet. Das Unternehmen und die Marke schafften es, sich mit einem unverkennbaren und unverwechselbaren Design auch in einer für den Modehandel schwierigen Zeit zu behaupten, lobte der Fashion-Net-Vorsitzende Klaus Brinkmann in seiner Laudatio bei der Preisübergabe an Firmenchef Helmut Schlotterer.

 

Fashion Net & Friends – Come together

 

Beim traditionellen Fashion Net & Friends Come Together am Sonntag Abend traf sich die Branche zum entspannten wie unterhaltsamen Austausch im Blumengroßmarkt.

Detaillierte Infos zu den Modetrends der Order-Saison H/W 19/20 lesen Sie in unseren
folgenden Reports und in unseren CHANNELS.

 

 

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