REVIEW – Re’aD Summit 2018

19-Nov-2018

 

State of the Art der Digitalisierung der Supply Chain

 

Sind Avatare die Zukunft der Bekleidungsbranche?

 

Werden Avatare in Zukunft die Entwicklung und Produktion von Bekleidung bis hin zum Kaufverhalten des Konsumenten verändern? Die richtige Mode zur richtigen Zeit – individuell, passformgenau und sofort zu haben? Das ist schon fast Wirklichkeit. Denn die Entwicklung der digitalen Technologien heute ist viel ausgereifter und schneller als die derzeitigen Datenautobahnen in Deutschland es zulassen. Das Internet hat unser Konsumverhalten so massiv verändert, dass auch die Produktion akut nach digitalen Technologien verlangt. Und die sind heute vielfach schon in Entwicklung und Anwendung. Produktionsdaten – ob Farb- oder Material-Informationen – können jetzt schon weltweit in Echtzeit in die Supply Chain kommuniziert werden und exakte Ergebnisse liefern, auch ohne dauernd Labdips hin- und herzuschicken. Schnell und kostengünstig! Doch noch immer trauen sich nicht alle so richtig an die digitale Transformation im eigenen Unternehmen heran. Darum hat das Deutsche Mode-Institut mit Re’aD das Forum für den digitalen Wandel initiiert.

 

 

Was ist State of the Art in der Digitalisierung der Supply Chain?

 

Sich zu informieren, auszutauschen, Zugangsschwellen abzubauen und Fragen zu beantworten sowie das passende Netzwerk zu treffen, dazu hat sich der Re’aD Summit schon in seiner zweiten Ausgabe 2018 erfolgreich entwickelt.

Mehr als 200 Interessierte und Experten der Mode-, Lifestyle- und Konsumgüterbranchen wie auch digitaler Technologiedienstleister trafen sich am Donnerstag, den 15. November, beim Gipfel für „Digitale Produktentwicklung im Netzwerk der Supply Chain“ in der Rheinterrasse Düsseldorf.

 

Ein Avatar eröffnete die Veranstaltung – per Videoeinspielung. Um in ein spannendes wie informatives Programm durch alle Prozesse der Supply Chain überzuleiten, welches ebenso kurzweilig wie unterhaltsam von Stefan Dietz moderiert wurde.

Die digitale Produktentwicklung im Netzwerk der Supply Chain – von der Messung über die exakte Darstellung und Kommunikation von Farbe bis hin zur 3D Visualisierung des Modells am Rechner – dazu präsentierten Experten und Anwender führender Player der Produktentwicklung ihre neuesten Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungswerte. Und schnell wird klar: Das Problem liegt in der Produktion. Hier fehlt oft der Mut, die nötigen Schritte und Investitionen zu machen. Ob aus Angst um Veränderung von Arbeitsplätzen oder mangelndes Vertrauen, gewohnte Strukturen zu verlassen.

 

 

„Wir müssen die gesamte Supply Chain in die Transformation einbinden, wenn wir flexibel und wirtschaftlich produzieren wollen.“

 

Was heute schon geht und was morgen möglich sein wird, verdeutlichte Daniel Bücher vom Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen. „Wir arbeiten zum Teil noch mit Maschinen auf dem Stand von vor 80 Jahren.“ PLM-Systeme, PDES, CAD – hier habe sich viel getan. Spannende Konzepte wie das Beispiel „Knit for you“ von Adidas zeigen innovative Ansätze, den Kunden mit individualisierten, auf den Körper geschnittenen Shirts im Laden abzuholen. Schnitt, Muster und Farben mit der Software Vidya/Assyst per Drag & Drop in die Designentwicklung zum virtuellen Prototyp – als Anwender neuester Technologien gaben Birgit Wiech und  Jule Widmann spannende Einblicke in die Produktentwicklung in 3D der Hugo Boss Womenswear. Und setzen damit richtungsweisende Impulse für die Branche. Die Simulation beinhaltet sogar den Fall des Stoffs und Lichteinflüsse. Ziel ist, „ein Avatar, der Hände hat, Schuhe tragen kann – und wie ein Mensch aussieht.“  Wenn der Online-Kunde sich zukünftig sonntags auf dem Sofa seinen eigenen Avatar in dem Kleidungsstück anschauen könne, senke das auch die Retourenquote.

 

 

Vom Analogen ins Digitale geht auch Pantone mit der weltweit meistgenutzten Farbpalette – und baut jetzt auf die digitale Kommunikation ihrer Farben in Kooperation mit ColorDigital. „Quick access to reference“Francesco Tomasello und Dr. Tobias Rausch / X-Rite Pantone gaben bei Re’aD den Startschuss für Pantone digital. „Gerade bei Brand Colours muss die richtige Farbe auf 20 Materialien gleich aussehen.“

 

 

„Welches Rot hätte ich denn gerne?“

 

Wie das Real Digital Color Management  bei der MAMMUT SPORTS GROUP in der Schweiz funktioniert, erläuterte Julian Jetten sehr eindrucksvoll – die Umsetzung im Produktionsprozess wie auch die Probleme im Unternehmen. „Es geht ohne physischen Farbschnipsel.“ 1500 Labdips habe man für die Winter 18 Präsentation hin- und her geschickt. Man müsse Farbe ‚objektiv’ machen: eindeutige Messwerte, Kommunikation in Echtzeit. Ein verbindlicher Standard für alle. „Farbe ist kaufentscheidend.“ Labor versus Produktion – Christoph Bergmann von Natific zeigte am Beispiel seiner Kunden UNDER ARMOUR, LANDS' END, LEVI'S u.a. auf, wie die Farbe in der Färbung selbst mit unterschiedlichen Produktionsstandards so konstant wie möglich wird. Bei TMC wurde die alte Druckerei komplett gegen digitale Druckertechnologie ausgetauscht: Mit digitalem Textildruck in der Losgröße 1 reagiert Ulrich von Glahn auf den Megatrend Individualisierung.

 

 

„Wir müssen zu einem On Demand System übergehen“

 

Doch bei Re’ad ging es nicht nur um die Technologien selbst – Hard- und Software bis hin zu Cloud basierten Lösungen, um die Digitalisierung in der Bekleidungsbranche voranzutreiben. Auch Fast Fashion und Nachhaltigkeit waren zeitaktuelle Aspekte, die auf dem Podium diskutiert wurden.

„If you are able to produce what the market wants, you need no more discount.“ Marte Hentschel /SOURCEBOOK moderierte die interessante Panel-Diskussion „Nachhaltig denken – digital handeln!“, bei der Holger Max-Lang /LECTRA, Anton Schumann/ GHERZI, Anita Heiberg/ ZyseMe
 und Olaf Schmidt /Messe Frankfurt ihre Standpunkte deutlich machten. „Not producing for stock but on demand.“ 

Um Lieferanten und Kunden online zu vernetzen und mit dem permanenten Zugang zu Materialien und Informationen auf die Ansprüche der Branche zu reagieren, hat die führende Stoffmesse PREMIÈRE VISION ihr Messeformat innovativ weiterentwickelt. Gaël Séguillon präsentierte bei Re’aD den digitalen B2B Marktplatz.

 

 

Best Practice in der Transformation

 

„Die Digitalisierung ist ein größeres Projekt in den Unternehmen, das kommt, dem kann man nicht entgehen.“ Wie die Best Practice in der Transformation aussieht, verdeutlichte die Diskussionsrunde der Partner der DIGITAL TEXTILE CONNECTION, Frank Schenk / EPSON , Andreas Büdel / Peter Büdel Accessoires, Olaf Kölling / ColorDigital, Dr. Tobias Rausch / x-Rite Pantone und Dr. Andreas Seidl /Assyst. „Farbe, 3D, eine digitalisierte Produktentwicklung – das sind große Herausforderungen, das geht nur wenn man es gemeinsam macht.“

 

Und damit das Change-Management im Unternehmen gelingt bot die abschließende DIALOGRUNDE
 allen Teilnehmern – Experten wie auch Besuchern des Re’aD Summit – die Gelegenheit, Fragen zu Stellen, sich auszutauschen und  Antworten zu bekommen. Um die Herausforderungen der unabwendbaren Digitalisierung der Branche gemeinsam  zu meistern.

 

 

Information und Austausch – Die Digitalisierung in der Branche können wir nur gemeinsam schaffen

 

Neben den „digitalen Früh-Aufstehern“ der Branche repräsentiert die Teilnehmerliste ein vielfältiges Bild renommierter Unternehmen: Ahlers, Aldi, Hugo Boss, C&A, Coats, ColorPlasticChemie, Datacolor, Dralon, Engelbert Strauss, German Fashion, Kik, Escada, Betty Barclay, Brax, Otto GmbH, Marc o’Polo, Munich Fabric Start, Sportalm, Rabe, RAL, Roland SE,  Roy Robson, Ulla Popken, Telekom Deutschland, Union Knopf  und viele weitere.

 

Das einstimmig positive Feedback der Besucher war überwältigend und zeigt einmal mehr, wie wichtig und nötig diese Veranstaltung ist.

 

Stimmen der Teilnehmer lesen Sie hier.

 

 

 

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