• Karolina Landowski

'Konsequent in Richtung Nachhaltigkeit'


Copenhagen Fashion Week – 28. - 31. Januar

Klassischer, abgeräumter, ruhiger. Die Laufsteglooks der Kopenhagener Modewoche unterstreichen die aktuelle Tendenz zu mehr Minimalismus und Tailoring. Auf der Agenda der Veranstalter und vieler skandinavischer Brands: ein konsequenter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Bereits auf Kopenhagens Kopfsteinpflastern konnte man die wichtigsten Keylooks für Herbst/Winter 20/21 ausmachen: In langen, camelfarbenen Trenchcoats, weiten Hosen zu Oversize-Blazern, Midi-Röcken, Rollkragen und eleganten Stiefeln flitzten Einkäufer und Influencer zu den eigentlichen Skandi-Schauen. Auf den Laufstegen von Baum und Pferdgarten bis Résumé, von Marlene Birger bis Holzweiler verfestigte sich das Bild: New Tailoring kommt stark – mit maskulinen Schnitten, viel Volumen und raffiniertem Layering. Mäntel und Blazer fungieren als Mittelpunkt vieler Looks. Westen, Pullunder und Strick werden über Schluppenblusen und kantigen Hemden getragen. Hohe Stiefel über lockeren Hosen. Daneben sah man viele Checks, die Farbe Braun allover und zarte Reminiszenzen an die Seventies, vom einzelnen Kragen bis zur gesamten Silhouette.

Streetstyles ©CPHFW

Neben Cord und Wolle kam in den Kollektionen extrem viel Leder zum Einsatz – von schwarzen Lederkostümen mit weißen, fast schon biederen Kragen bei Ganni bis hin kompletten Lederlook in Taubenblau bei Munthe. Dazu Nappa in Braun, Khaki und Beige. Strick setzt weiterhin Statements und kommt voluminös und schützend daher – vom chunky Rollkragen-Pullover bis hin zum eng anliegenden Kleid. Utility-Elemente bleiben uns im H/W 20/21 erhalten und brechen die strengen Looks sportiv auf. Dazu gesellen sich feminine Details wie Rüschen und Drapagen und deutlich mehr Körperbetonung bei Kleidern. Premiere auf der Copenhagen Fashion Week feierte das Label Gestuz: In der Galerie Egelund posierten Models in Hahnentritt-Overshirts und Blumenkleider, mit überdimensionalen Clutches und Langschafstiefel in Schlangenprägung zwischen Kunstwerken, die von jungen Talenten aus Resten der Kollektion angefertigt wurden.

Ganni ©CPHFW

Optimistisch war die Stimmung auf den Kopenhagener Messen CIFF und Revolver, die gut besucht waren. Kopenhagen als Dreh- und Angelpunkt der skandinavischen Modeindustrie zieht nach wie vor viele internationale Einkäufer an, besonders aus dem deutschsprachigen Raum. Inspiration dient oftmals als Zugpferd. Denn Skandi-Brands adaptieren Trends oftmals verständlicher, die Fashionszene ist hier gefühlt weiter als in anderen Messestädten. Ob Lederkleider, Overshirts, Komplettlooks in Beige und Camel: Themen der neuen Lookbooks werden hier auf den Straßen bereits von Kopf bis Fuß zur Schau getragen. Neben der modernen Klassik bleibt Outdoor ein wichtiger Richtungsweiser für die kommende Saison, vor allem im Herrensegment. Puffer und Anoraks, ultraklobige Hiking-Sneaker und technisch anmutende Snowboots verleihen dem Thema neue Dynamik, die in einem eigenen Bereich auf der CIFF deutlich wurde. Zu Neutrals wie Schwarz und Offwhite, Khaki und Beige gesellen sich kommenden Winter zarte Pastelle wie Rosé, Flieder und Lindgrün.

Holzweiler ©CPHFW | Vibram

Ebenso wegweisend: Sustainability. Neben nachhaltigen Ausstellern wie beispielsweise Dedicated aus Schweden und dem Einsatz von Bio-Baumwolle oder recyceltem Polyester in herkömmlichen Kollektionen poppte dabei ein Thema immer wieder auf: Upcyling. Das Brand Leftover von Klaus Samsøe, den Gründer von Samsøe + Samsøe, etwa stellte auf der Revolver Kleidungsstücke aus ausrangierter Bettwäsche und Schürzen aus Hotels und der Gastronomie vor. Hinter dem Label Recycle Dead Stock steht die dänische Buskgroup, die nach Kissenbezügen und Tragetaschen jetzt auch Hemden und Jacken aus überschüssigen Materialien der Modeindustrie herstellt. Und auch auf den Messen selbst stand Upcycling auf dem Programm: Im Eingangsbereich der CIFF konnten Besucher in der Sustainability Station Denim-Reste des Partners Lee mitnehmen und individuell besticken oder umnähen lassen.

Recycle Dead Stock | Leftover

Dass beide Messen auf Möbel aus wiederverwertbaren Materialien, konsequente Mülltrennung und den Verzicht auf Plastik setzen, war konsequent wie eindrucksvoll.

Die Veranstalter der Copenhagen Fashion Week gehen sogar einen Schritt weiter: Auf einer Pressekonferenz stellten sie einen Aktionsplan für Nachhaltigkeit vor – als die erste Modewoche überhaupt. „Die Kopenhagener Modewoche ist der kulturelle und kommerzielle Treffpunkt der skandinavischen Modeindustrie. Dies gibt uns eine enorme Verantwortung und das Potenzial, einen wirkungsvollen Wandel in der Branche insgesamt herbeizuführen", sagte Cecilie Thorsmark, CEO der Copenhagen Fashion Week. Die Fashion Week selbst möchte bis 2022 keinen Abfall mehr produzieren und ihren CO2-Fussabdruck um 50% reduzieren. Ab Januar 2023 müssen zudem alle Labels, die auf der Fashion Week zeigen, 17 Mindestanforderungen an Nachhaltigkeit erfüllen. Unter anderem verpflichten sie sich, Restbestände an Kleidung nicht zu vernichten, mindestens 50% zertifizierte, Bio- oder recycelte Materialien einzusetzen, nur nachhaltige Verpackungen zu verwenden und ein Zero-Waste-Konzept für die Shows zu haben. Bereits für August 2020 kündigte die CIFF mit C+ eine Area für nachhaltige Innovation an, die Modeunternehmen unterstützen soll, neue Lösungen zur Schaffung nachhaltigerer Produkte umzusetzen.

Detaillierte Informationen zu den Trends der Saison A/W 20/21 erhalten Sie in unseren digitalen Channels.

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