• Alexandra von Schledorn

Ordertage Düsseldorf – Trends & Talks


Nach einem positiven Saisonauftakt in Berlin traf sich die Modebranche am vergangenen Wochenende zu den Ordertagen in Düsseldorf. Teils über die dreitägige Kernlaufzeit vom 25. bis 28. Januar hinaus wurden auf den Messen Gallery Fashion, Supreme und der Date, im Double-U, den Hallen 29 und 30 sowie den rund 670 Showrooms in der Stadt die komplettierten Kollektionen für die Saison H/W 20 präsentiert.

Gallery Fashion Impressionen

Das Modegeschäft ist in Düsseldorf ein relevanter Faktor an zentralem Standort, der insbesondere für die angrenzenden Nachbarländer wie auch den russischen Markt, die Ukraine und Weißrussland, nach wie vor von großer Bedeutung ist.

Insgesamt rund 800 Brands aus 20 Ländern stellten auf der Gallery Fashion ihre Kollektionen aus den Segmenten Contemporary, Design, Avantgarde, Evening & Occasion vor. „Gallery Fashion trotzt der allgemein angespannten Lage und geht weiter in die Tiefe“ verkündete Ulrike Kähler, Managing Director Igedo Company und Project Director, zu Beginn der Messe auf dem Böhler-Areal.

Der weiter ausgebaute Agenturbereich in der Kaltstahlhalle mit einer spannenden Markenvielfalt internationaler Womens- und Menswear-Brands wurde höchst positiv angenommen und lockt zunehmend Einkäufer an. Das SHOWROOM CONCEPT bietet darüber hinaus gehende Expansionsmöglichkeiten bis hin zu 10 Tagen Ordergeschäft. Ein Rahmenprogramm mit Talks und Vorträgen rundete das Angebot der Gallery FASHION ab. Man habe ein „generell positives Grundrauschen“ gespürt, so Kähler, die Besucherfrequenz sei ähnlich dem Vorjahr gewesen, am Sonntag sogar stärker.

Das Angebot an Accessoires – Hüte, Mützen, Gürtel und Lederwaren sowie auch Modeschmuck, Schals und Tücher – nahm deutlich mehr Fläche ein als in den Vorsaisons, hier spürte man die Zugänge aus dem Fashion House. Den Ausstellern kommt das entgegen, da die Einbindung in den Modekontext Interessierte und Neukunden mit sich bringt. Das in Berlin übergreifende Thema Sustainability ist auch in Düsseldorf angekommen, wenn auch noch nicht so offensichtlich.

Herrlicher

Die Messe SUPREME setzt weiterhin auf Premium Marken im hochpreisigen Segment. Zu den langjährigen sind auch zahlreiche neue Aussteller hinzugekommen. Im B1 wurden bereits ab Freitag mehr als 500 Top-Kollektionen internationaler Design-Marken der DOB und HAKA sowie ausgesuchte Accessoires- und Schuhlabels präsentiert. „Wir sind froh, dass das Luxussegment ganz gut läuft”, äußerte sich SUPREME-Messechefin Alina Schade beim Pressetreff am Samstag Morgen. Hervorgehoben wurde, dass ein Großteil der dort ausstellenden Brands aus Deutschland und den Nachbarländern, davon viele aus Italien, kommen bzw. in Europa produzieren – das stehe auch für Nachhaltigkeit.

Durch die Öffnung einen Tag früher verzeichne man einen steigenden Anteil insbesondere an internationalen Händlern, aus den benachbarten europäischen Staaten, Russland, Kanada sowie dem Mittleren Osten. Die gemeinsam mit ihren Ausstellern getroffene Entscheidung komme dem Interesse und der Zeitplanung des Publikums entgegen und habe sich als richtig erwiesen.

Auch wenn der Markt mit Ware überfüllt ist und wir zunehmend unser Konsumverhalten hinterfragen, setzen die Messen weiterhin auf Wachstum. Was sich in der Anzahl der ausstellenden Labels bestätigt. Jedoch ging es in der Rheinmetropole weniger um die Probleme und die Stimmung in der Branche, als viel mehr um das Produkt selbst. Hier vollzieht sich bereits ein notwendiger Schritt des Wandels: hin zu Qualität und weg von kurzlebiger Fast Fashion. Und für ein gutes Produkt muss dann eben auch ein bisschen mehr bezahlt werden.

Mary's | Windsor | Stones

Der Eskapismus vergangener Saisons tritt zugunsten ruhigerer Töne etwas in den Hintergrund. „Innere Werte“ – technologische Innovationen, neue Materialentwicklungen wie auch schnitttechnische und funktionale Verarbeitungslösungen, Leichtigkeit und Details – innen wie außen – standen im Fokus: Ob bei Fake Fur oder warmen Mänteln und Jacken aus Wolle – teils mit innovativ gestalteten Abseiten oder die Verarbeitung von Strick. Bei Windsor und Luisa Cerano, bei Stones und bei Bob, bei Uli Schneider, Mary’s oder Les Copains und vielen weiteren. Riani verwendet nach eigenen Angaben Recycled und Eco-friendly Materials sowie No Mulesing und arbeitet mit Produzenten und Lieferanten, die sich überwiegend in Europa befinden. Die exklusiven Drucke der Kollektionen entstehen sowohl in Italien als auch direkt in Deutschland. Nachhaltigkeit hat viele Interpretationen. Wenn Polyester, dann zu 100%, als recycelbares Monomaterial – wie die Kleider von Aysen Bitzer für ihr Label AyBi.

Blue Sister | Frogbox | Stella Forest

Das Farbbild zeigt sich insgesamt beruhigter und die Silhouetten abgeräumter. Der Fokus liegt auf den Stoffen, Eyecatcher kommen über Farbe. Natur-Inspiration schwingt in nahezu allen Kollektion mit, sei es über das Material – überall Wolle, Cashmere, Leder- undFell(imitationen) – oder bei Mustern und Prints. Allen voran florale Interpretationen, groß- und kleinblumig oder abstrahiert, ebenso wie Animals, die meist mit Blau-, Rot- oder Orangetönen kombiniert werden. Insbesondere auf Kleidern sind sie jetzt angesagt – auf seidigen wie leicht kreppigen Fonds, die Schnitte im Bohemian Style oder retrolike im 70ies-Stil – kurz, midi oder lang.

Im Stil eines Multi-Culture-Mix treffen Cognacnuancen und Burgunderrot, Orange- und Gelbtöne auf Blau und Grün, für selbstverständliche und sehr tragbare Looks. Neben urbanen Graunuancen bildet eine edel wirkende Beige/Nude/Camel-Palette den Kern vieler Kollektionen und steht damit für eine neue Eleganz. Kommerziell aufgemischt wird mit pastelligem Rosé, Hellblau und Fliedertönen. Als Gegenpol zu der ruhigeren Farbausstimmung blitzen Highlights in kräftigen Farben auf, allover oder als Akzent in Mustern und Karos.

Windsor | Windsor | Riani

Als starke Farbe erweist sich Rot und in der modischen Spitze ein kräftiges Blau oder Purple. Sie verleihen Hosenanzügen in neuer Weite einen selbstbewussten Ausdruck. Strick ist der dankbarste Partner für intensive Farben, von leuchtendem Pink über sämtliche Rotnuancen hin zu Orange und Gelb. Grün gilt als Aufsteiger – und wird gern mit Oliv und Naturtönen oder sportiv mit Schwarz kombiniert.

Eyecatcher ist ein acides Gelb, das im sportiven Bereich, insbesondere für Outdoorjacken, zum Tragen kommt.

Steffen Schraut | Codello | Codello

Gut besucht war der Showroom von Steffen Schraut in der Kaiserswerther Straße. Der Düsseldorfer Designer, der immer persönlich anwesend ist und seine Kundenbeziehungen pflegt, hat sich für eine Taschenkooperation mit Stuff Maker einen neuen Lizenzpartner ins Haus geholt. Das Ergebnis ist ein Verkaufserfolg: Shopper aus veganem und Echt-Leder sowie Karostoff mit „Signature Smiley Face“ im modernen Art Design.

Um Taschen hat jetzt auch der Tücher- und Schalhersteller Codello sein Angebot ergänzt: Shopper, Crossover Minibags und Pochettes sind auf Farben und Muster der Kollektion abgestimmt. Accessoires haben sich längst im Mode-Handel und darüber hinaus als profitable „Mitnahmeartikel“ erwiesen. Umgekehrt will sich die Schuhmarke Tamaris jetzt mit der Otto Group als Lizenzpartner zur ganzheitlichen Lifestyle-Marke entwickeln: Ab Februar 2020 soll die erste Textil-Kollektion mit rund 100 Teilen online erhältlich sein.

Luisa Cerano und auch Windsor punkten weiterhin mit einer starken Designhandschrift und hochwertigem Qualitäts-Konzept. Für ein gutes Produkt setzt man hier auf beste italienische Wollqualitäten – von ausgewählten Top-Lieferanten. Das gilt auch für die feinen Lammfelljacken bei Windsor, die aus echtem Leder sind. Qualität, die sich hier als nachhaltig versteht.

Cividini

Auch das italienische Premium-Label Cividini beweist wieder einmal ein sicheres Gespür für Qualität, Farben und Materialien. Die Kollektion vermittelt ein Hauch 70s – mit progressiveren Proportionen in die Moderne geholt. Doppelreihig geknöpfte Mäntel in maskulinem Shape sind aus Cashmere-Drapé oder in Fischgrat aus Baby-Alpaka, Jacken und Parka mit angedeutetem Military-Touch mit langflorigen Alpakastoffen akzentuiert. Dazu: Plisseeröcke in Karos, Kleider und Blusen mit Microdessins und Blumen.

Marc Cain | Gardeur

Brit Chic und 70ies Retro Romantik, Bohemian Dresses, Karoblazer und -Hosen, Woll- und Teddymäntel und Jacken sowie neue Hemdjacken-Formen, dicker Strick und Slim Leather Pants, Leder und Samt sowie Hightech-Outdoorparka – die Key Products der Saison Herbst/Winter 20 finden sich in allen Kollektionen – unterschiedlich interpretiert mit jeweils individueller Marken-ID.

Das Gesamtbild macht deutlich: Ein neuer Chic ist im Alltag angekommen, der durch entspannte Silhouetten lässig wirkt. Im urbanen Lifestyle kommen Utility-Einflüsse hinzu. Traditionelle Materialien wie Tweed und Flanell wie auch Muster von Karo über Glencheck und Hahnentritt bis hin zu Nadelstreifen werden in einen neuen Kontext gebracht und modernisiert – so dass sie nicht spießig wirken.

Wollmäntel in klassischen Farben – vielfach in Doubleface – oder mit Karos sind Bestseller. Auch Felliges wie Teddy sowie haarige Optiken sind ein Riesen-Thema: Die Range an Materialien ist vielfältig – täuschend echt dem Naturhaar, gewebt und zottelig oder als gestrickte Ware, aus Wolle oder synthetischen Materialien, kuschelig weich und in etlichen Farben.

Das romantisch inspirierte Kleid gilt neben dem wolligen Mantel oder Teddy als eines der wichtigsten Key Pieces der Saison. Kombiniert wird es zu Hochschaftstiefeln oder Biker-Boots.

Auch die Schluppenbluse ist wieder da, sie wird fast schon ladylike zu karierten Hosen kombiniert, zur Leder-Culotte oder zum ausgestellten Midi-Rock aus Wollstoff. Wichtig dazu: flauschige Grobstrick-Cardigans, oft mit breitem Taillengürtel getragen.

C.T. Plage

Generell erlebt Strick gerade eine gute Saison – superleichte, meist haarige Pullover in oversized Silhouette sind Must Haves zu sämtlichen Styles: Sie bringen den Kuscheleffekt, sorgen für Komfort und bieten zudem eine reiche Farbpalette für individuelle Stylings. Die Variationen reichen von Rippen- über Intarsiastrick bis hin zu zotteligen, fast fellähnlichen Garnen. Lockere Strickjacken und -Mäntel bieten sich als perfekte Ergänzung zu den überwiegend leichten Kleidern, in Kombination sind sie wintertauglich. Feine Rollis werden auch unter Kleidern getragen, Rippenpullis zu ausgestellten Röcken bewirken zudem eine junge 70ies Attitüde.

Hosen mit lockerer Beinweite in konisch zulaufender Silhouette mit verkürzter Länge sind die bestverkauften Modelle in dieser Orderrunde. Die Culotte setzt sich im breiten Markt durch, während man die hochmodische weite Hose eher in Kombination zum leicht oversized geschnittenen Blazer als Anzug findet. Meist jedoch nur bei exklusiven, international orientierten Brands, da sie bei uns im kommerziellen Mainstream nicht so ihre Zielgruppe findet.

Einen Hauch Retro vermittelt auch das Lieblingsmaterial der 70er Jahre – Samt – in dunklen Farben für Hosen und Kleider gleichermaßen beliebt.

Leder vermittelt Natur und beweist sich als wichtiger Kombipartner für neue Styles – das Lederhemd ebenso wie die Culotte oder auch das Kleid im Hemdblusenschnitt. Bestseller sind Stretchpants in Slim-Silhouette, aus echtem oder Fake Leather.

Die aus den 70ern bekannte Lederjacke – im Bikerstil sowie auch als Blouson – schafft die jungen Brüche zu allzu klassischen Modellen – in der Womens- und Menswear.

Cultural Heritage – der Westernlook der 70ies erlebt ein Revival über Cowboyboots, Holzfällerkaros und Trapperjacken. In der Menswear zeigen sich neben den Velourslederjacken mit Lammfell Kabans aus festen Wollstoffen, oft kombiniert mit Norwegerpullis und Cordhosen. Neu wirkt die Manteljacke aus festem Wollstoff mit militärischer Inspiration – in Lodengrün.

Schwerer Jersey, der leicht an Romanit erinnert, sorgt für eine neue Optik bei Jacken und Mänteln sowie auch hier und da bei Kleidern und Röcken, uni oder mit Intarsiamustern. Superleichte Bi-Stretch-Hightech-Materialien, überwiegend in dunklen Tönen wie Blau oder Schwarz, dazu Weiß oder Ecru, unterstreichen hervorragend minimalistische Styles und bieten sich für eine pflegeleichte Businessgarderobe an.

Detaillierte Trendinformationen zur Saison Herbst/Winter 20 finden Sie auch in unseren CHANNELS

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